Besteigung des Kilimandscharo (Tansania) – Juni 2017
Im Juni 2017 fand eine außergewöhnliche Expedition statt: Eine Gruppe von zehn bis zwölf Patienten nach einer Lungentransplantation bestieg gemeinsam mit etwa 20 bis 25 medizinisch erfahrenen Begleitpersonen den Kilimandscharo in Tansania. Ziel war es, zu zeigen, welche körperlichen Leistungen nach einer Lungentransplantation möglich sind, und gleichzeitig wichtige wissenschaftliche Erkenntnisse zur Höhenmedizin bei Empfängern solider Organe (SOT) zu gewinnen. Die gesamte Expedition wurde von einem Fernsehteam dokumentiert.
Medizinischer Hintergrund
Dank moderner Transplantationsmedizin können immer mehr Menschen nach einer schweren Grunderkrankung wieder aktiv am Leben teilnehmen. Abenteuerreisen in große Höhen (über 2.440 m) bieten für diese Patienten besondere Chancen – aber auch erhebliche Risiken, etwa die akute Bergkrankheit (AMS), das Höhenhirnödem (HACE) oder das Höhenlungenödem (HAPE).
Vor der Expedition gab es weltweit nur wenige wissenschaftliche Arbeiten und kaum praktische Erfahrungen, wie Lungentransplantationspatienten auf eine solche Belastung vorbereitet und medizinisch begleitet werden können. Bis 2015 war es lediglich zwei Patienten gelungen, den Gipfel des Kilimandscharo nach einer Lungentransplantation zu erreichen (veröffentlicht in: PLoS One, 2015).
Vorbereitung
Alle Teilnehmer wurden im Vorfeld umfassend sportmedizinisch untersucht (Ergo-Spirometrie, Krafttest, hypoxisches und hypobares Screening). Anschließend erhielten sie ein individuelles Trainingsprogramm. Im Mai 2017 wurde zusätzlich ein fünftägiges Höhentraining absolviert, um die körperliche Anpassung zu verbessern.
Wissenschaftliche Begleituntersuchungen
Während der Kilimandscharo-Besteigung wurden zahlreiche medizinische Parameter erhoben, darunter:
- Sauerstoffsättigung, Blutdruck, Herzfrequenz und Lungenfunktion in verschiedenen Höhen
- Blutgasanalysen
- Messungen der Wirkstoffkonzentrationen von Tacrolimus, Cyclosporin und Everolimus, um pharmakokinetische Veränderungen in der Höhe zu untersuchen
- Schlaf-Screenings zur Analyse höhenabhängiger Atemveränderungen
- Messung der Herzfrequenzvariabilität zur Beurteilung des autonomen Nervensystems
Die kontinuierliche Überwachung ermöglichte eine detaillierte wissenschaftliche Auswertung und lieferte wertvolle Daten für die Transplantations- und Höhenmedizin.
Expeditionsverlauf
Tag 1 – Londrossi Gate bis Mti Mkubwa Camp (2.650 m)
Die Expedition begann mit einer 3–4-stündigen Wanderung durch den Regenwald bis zum Mti Mkubwa Camp.
Tag 2 – Mti Mkubwa Camp bis Shira Camp (3.550 m)
Nach rund 6–7 Stunden Aufstieg erreichte die Gruppe das Shira Camp auf dem Hochplateau.
Tag 3 – Shira Camp bis Shira Hut (3.840 m)
Die Tagesetappe dauerte etwa 3–5 Stunden. Erstmals wurde die zunehmende Höhenluft spürbar.
Tag 4 – Shira Hut bis Barranco Valley (3.900 m)
Nach 5–7 Stunden Wanderung erreichte die Gruppe das spektakuläre Barranco Valley mit seinen markanten Felswänden.
Tag 5 – Barranco Camp bis Karanga Camp (4.000 m)
Die kürzere Etappe (4–5 Stunden) diente der Akklimatisation und Vorbereitung auf die Gipfeltage.
Tag 6 – Karanga Camp bis Barafu Camp (4.600 m)
Nach 3–4 Stunden erreichten die Teilnehmer das Barafu Camp – das Hochlager vor dem Gipfel.
Tag 7 – Gipfelbesteigung (5.895 m) und Abstieg zum Mweka Camp (3.100 m)
Noch in der Nacht begann der Gipfelaufstieg. Nach 7–8 Stunden erreichte die Gruppe den Uhuru Peak, den höchsten Punkt Afrikas. Der Abstieg führte anschließend in einer langen Etappe (insgesamt 13–15 Stunden Gehzeit) bis zum Mweka Camp.
Tag 8 – Mweka Camp bis Mweka Gate, Rückkehr nach Arusha
Am letzten Tag wanderte die Gruppe in 3–5 Stunden zum Mweka Gate und kehrte anschließend nach Arusha zurück.
Fazit
Die Kilimandscharo-Expedition 2017 stellte einen bedeutenden medizinisch-wissenschaftlichen Meilenstein dar. Sie zeigte eindrucksvoll, dass Menschen nach einer Lungentransplantation mit entsprechender Vorbereitung, Begleitung und medizinischer Überwachung auch extreme körperliche Herausforderungen wie eine Besteigung des höchsten Berges Afrikas bewältigen können.


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